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Body & Mind

So tückisch ist Diet Culture

Von Pia Scheiblhuber 11. Juli 2021
Credit: Pexels
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Wir sind umgeben von ihr, wir leben in ihr und sind ein Teil von ihr – tagtäglich. Diet Culture gehört zum modernen Lifestyle. Sie etikettiert Ernährungsweisen schlichtweg mit richtig oder falsch und setzt Gesundheit mit Schlankheit gleich. Wohlbefinden wird also über Gewicht definiert. eternal beauty beleuchtet, wieso Diet Culture so tückisch ist.

Diet Culture diktiert Ernährungsregeln

Diet Culture propagiert die „richtige“ Ernährungsweise, die zu einem gesunden, schlanken und attraktiven Körper führt. Der daraus resultierende Trugschluss: Wer keinen den gesellschaftlichen Attraktivitäts-Normen entsprechenden Körper hat, macht etwas falsch, ist selbst dafür verantwortlich und isst schlichtweg einfach nicht das Richtige. Diet Culture ist ein gesellschaftlich akzeptierter und tagtäglich gelebter Wertekomplex, der einen Ernährungskodex vorgibt, der nicht hinterfragt, sondern hingenommen und als Maßstab verstanden wird. Dies passiert sogar teils unbewusst oder unterbewusst, da Diet Culture eine alltägliche Erscheinung ist.

Es gibt nur „richtig“ oder „falsch“

„Du bist, was du isst“: Wie oft mussten wir dieses Diet-Mantra einfach abnicken, ohne wirklich zu hinterfragen, was dieser Satz doch tatsächlich meint. Er impliziert, das Selbstwertgefühl von der „Richtigkeit“ der Ernährungsweise anhängig zu machen. Der Mensch mit all seinen Eigenschaften und Fähigkeiten wird auf die Art der Nahrungsaufnahme und seinen Körperumfang reduziert. Wer „falsch“ isst, muss sich rechtfertigen. Wer „richtig“ isst, kann sich auf Komplimente freuen. À propos Komplimente: Der ständige Hinweis auf Abnehmerfolge (oder auch -misserfolge), das kontinuierliche Vergleichen des eigenen Körpers mit dem anderer sowie überbordende Werbung für Diät-Produkte und Fitness-Tools, die uns zu Komplimenten verhelfen sollen, sind charakteristisch für die Diet Culture.

Diet Culture: irreführend und pauschalisierend

Diet Culture ist Inbegriff einer überholten und irreführenden Idee, die nur einen einzigen richtigen Weg zur Erhöhung des Selbstwertgefühls zulässt: eine gesunde Ernährung, die unabdingbar mit Verzicht einhergeht und den ersehnten Körper verspricht. Doch diese Rechnung geht oft nicht auf. Denn Diet Culture blendet die Einzigartigkeit jedes Einzelnen aus und pauschalisiert Ernährungsregeln, die nicht bei jedem in gleicher Form funktionieren. Eine große Rolle in der Weise, wie unser Körper Nahrungsmittel verarbeitet, spielen unsere Gene. Sie entscheiden maßgeblich darüber, welche Körperform wir entwickeln können und welche eben auch nicht.

Der Diet Culture-Wortschatz

Bestimmte Nahrungsmittel stecken wir automatisch in die Kategorie „schlecht“. Medien und Mitmenschen, die das Diet Culture-Wording verwenden, suggerieren, dass man sich schlecht fühlen soll, wenn einem ein Food-Ausrutscher passiert. Der typische Wortschatz, der uns in Diät-Artikeln, in Fernsehbeiträgen und sogar im Gespräch mit ernährungsbewussten Freunden um die Ohren schlägt, unterstützt das Diet Culture-Konzept. Da werden bestimmte Lebensmittel kategorisch als „schlecht für den Körper“ abgestempelt. Ein „Cheat Day“, an dem man mit „Kalorienbomben“ und anderen „Dickmachern“ „gesündigt“ hat, muss am nächsten Tag mit Rohkost und Selleriesaft „wieder gut gemacht“ werden, um sich nicht „schlecht“ oder „schuldig“ zu fühlen. Und natürlich mit reichlich Sport, „um Kalorien zu verbrennen“. Mit Scham erzählt man nur den besten Freunden, wie oft man tatsächlich Pasta während der Woche isst – offiziell ist man ja schließlich Low Carb-Anhänger.

Diet Culture-Mythos: Wer schlank ist, ist gesund

Ein Mythos erhält die Diet Culture aufrecht: Schlanksein wird gleichgesetzt mit Gesundheit und Attraktivität. Schlanksein wird in der Diet Culture als Schlüssel zu Erfolg, Selbstbewusstsein und nicht zuletzt als Eigenschaft, die die Partnersuche erleichtern soll, angesehen. Die Regeln des „richtigen“ Essens für die korrekten Körpermaße sind also eng verbunden mit anderen Lebensbereichen, von denen wir uns Erfolg verhoffen. Der Zwang, diesen Regeln gerecht zu werden, wird durch die sozialen Medien verstärkt, in denen die perfekt erscheinenden Körper zur Schau gestellt werden und Influencer von ihrem doch so gesunden Lunch erzählen und von Detox-Methoden schwärmen. Alles nur mit dem einen Ziel: um ihre „richtige“ Lebens- und Ernährungsweise zu demonstrieren. Obwohl diese im Grunde nur Ausdruck von oberflächlicher Perfektion ist und nichts mit der wahren Wellbeing-Idee gemein hat.

Wellbeing statt Diet Culture für mehr Wohlbefinden

Denn mit Wohlbefinden hat Diet Culture nur wenig zu tun. Der Terminus „Wellbeing“ kann also nicht auf Diet Culture übertragen werden. Doch ebendieser Ausdruck, „Wellbeing“, repräsentiert einen dynamischen, individuellen Wertemaßstab, der den Einzelnen mit seinen persönlichen Bedürfnissen in den Mittelpunkt stellt. Bedürfnisse, die auch auf eine gesunde Ernährungsweise abzielen, aber ebenso auf körperliches Wohlbefinden und Genuss. Vom Prinzip der Self-Care inspiriert, prangert beispielsweise die Body Positivity-Bewegung die Maßstäbe der Diet Culture an. Denn auch, wenn gesunde Ernährung wichtig ist, so sollte diese nicht zur Quelle zwanghaften Verhaltens werden. Letztendlich soll jeder und jede auf den eigenen Körper hören – und ihn auch hin und wieder mal mit Leckereien verwöhnen. Ohne sich danach schlecht zu fühlen. Ganz im Gegenteil: Um das Leben mit Genuss zu zelebrieren.

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