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Niksen: Die niederländische Art der Achtsamkeit

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Nichts tun, entspannen – und dabei glücklich sein: Für diese einfache und doch so effektive Art der Auszeit steht Niksen. Die niederländische Art der Achtsamkeit gilt als Vorbild, wenn es ums Relaxen und Abschalten geht. Aber wieso eigentlich?

Niksen ist nicht Faulenzen

Niksen ist eine Art des Nichtstuns, bei der man den Gedanken nachhängt und den Moment einfach mit sich selbst verbringt – ohne schlechtes Gewissen und ohne an jegliche Verpflichtungen zu denken. Das hört sich für viele wie Faulenzen an, ist es aber nicht. Wer faulenzt, ist oft in den sozialen Medien unterwegs oder schaut fern. Diese Aktivitäten sind beim Niksen tabu. Wenn Sie niksen, lassen Sie sich von Ihren Gedanken leiten, beruhigen dabei Ihren Geist und entfliehen somit für einen Moment der Schnelllebigkeit der Welt.

Auszeiten bewusst setzen

Woher kommt dieses Bedürfnis des Niksens? Der Begriff war bis vor einigen Jahren in den Niederlanden negativ konnotiert und alle, die dieser Beschäftigung nachgingen, wurden als Nichtsnutz bezeichnet. Das hat sich aber geändert und das hängt mit der fast schon erwarteten ständigen Erreichbarkeit zusammen. Egal ob Job oder soziale Verpflichtungen – irgendetwas kommt immer dazwischen, wenn man sich eine Auszeit genehmigen möchte. Doch anstatt sich dieser Situation anzupassen und Ihre E-Mails stets innerhalb von zehn Minuten zu beantworten, sollten Sie selbst Ihren Lebensrhythmus festlegen – inklusive notwendiger Auszeiten, in denen Sie einfach off sind. Für niemanden erreichbar und nur mit sich selbst beschäftigt.

Niksen macht ausgeglichener

Da kann nun ein weiteres Vorurteil entstehen: Niksen sei ein egozentrischer Akt des Nichtstuns. Wer so denkt, irrt sich aber. Denn je mehr wir uns erholsame Auszeiten schaffen, desto besser nehmen wir uns selbst wahr. Bei diesem Wahrnehmungsprozess überdenken wir auch unsere diversen Rollen, als Partner/in, Mutter/Vater, Freund/in, Angestellte/r oder Chef/in, was langfristig dafür sorgen kann, dass wir besser unser Privat- vom Berufsleben trennen und uns in privaten Momenten zu hundert Prozent auf Freunde und Familie konzentrieren können, ohne dass die Gedanken an die Arbeit abschweifen. Der intime Moment des Niksens macht Sie zudem zu einem ausgeglicheneren Menschen und somit zu einem entspannteren und aufmerksameren Mitmenschen.

Das sind die Vorteile des Niksens

Im Allgemeinen können Sie von diesen Benefits profitieren, wenn Sie regelmäßig niksen:

  • Gesteigertes Wohlbefinden und bessere Gesundheit: Niksen kann dazu beitragen, dass Sie sich sowohl psychisch als auch physisch fitter fühlen. Indem Sie bewusst den Off-Button drücken und nichts tun, reduzieren sie Stress und entlasten damit Ihren Körper, der oft genug unter Anspannung steht. Außerdem wirken Sie einem Burnout entgegen.
  • Mehr Energie und Effizienz: Niksen ist ein wahrer Energiebooster. Die Zeit des Nichtstuns lässt Sie fokussierter werden und steigert Ihre Effizienz, weil Sie mit frischerem Geist wieder Ihren Verpflichtungen nachgehen können.
  • Mehr Kreativität: Wenn Sie niksen, werden Sie merken, dass sich automatisch Gedankenketten bilden, die Ihre Kreativität stimulieren. Niksen kann zu richtigen Geistesblitzen führen, weil Sie die Gedanken einfach zulassen, die zu neuen, innovativen Ideen führen können.
  • Bessere Selbstwahrnehmung: Beim Niksen konzentrieren Sie sich auf sich selbst und kommen zur Ruhe. Dabei erkennen Sie, wie sehr Sie gewisse Verpflichtungen belasten und für welche Aktivitäten Sie gerne mehr Zeit aufbringen würden. Sie überdenken Ihre Wünsche neu und erkennen, was Ihnen wirklich wichtig ist.
  • Verbesserter Schlaf: Wer nie abschaltet, kann auch in der Nacht nicht richtig zur Ruhe kommen. Daher ist es so wichtig, hin und wieder abzuschalten, off zu sein – und zu niksen.

Niksen-Übungen

Wenn Sie nun Lust aufs Niksen bekommen haben, aber nicht wissen, wie Sie anfangen sollen, hier ein paar Übungsvorschläge:

  • Setzen Sie sich ans Fenster und beobachten Sie die Wolken. Welche Formen erkennen Sie darin? Was assoziieren Sie mit den Wolkenformen? Welche Gedanken kommen auf? Sie können diese Übung auch mit den Regentropfen, die die Fenster entlangrauschen, durchführen.
  • Greifen Sie nach dem Aufwachen nicht gleich zum Smartphone, sondern bleiben Sie erst mal liegen. Nehmen Sie wahr, wie sich Ihr Kopf und ihr Körper anfühlen und atmen Sie langsam und bewusst ein und aus. Für diese Übung könnten Sie, wenn nötig, den Wecker einfach fünf Minuten früher stellen.
  • Setzen Sie sich auf eine Parkbank und beobachten Sie die Leute, die an Ihnen vorbeilaufen oder auf der Wiese liegen. Erfinden Sie Geschichten über die Personen und regen Sie damit Ihre Kreativität an. Dass Sie beim Beobachten dezent vorgehen sollen, versteht sich von selbst. Vielleicht nehmen Sie aber auch eine Besonderheit des Parks, beispielsweise einen krumm gewachsenen Baum, wahr, die Ihnen noch nie zuvor aufgefallen ist.

Zeitmanagement wichtig

Wichtig, damit Sie das Niksen langfristig in Ihren Tagesablauf einbauen können, ist eine kluge Organisation Ihrer Zeit. Setzen Sie sinnvolle Prioritäten und verschieben Sie Dinge, die noch Zeit haben, auf einen anderen Tag. Dafür planen Sie 20 bis 30 Minuten Niksen pro Tag ein. Gehen Sie zum Niksen an die frische Luft oder schaffen Sie sich eine Niksen-Ecke in der Wohnung, die Sie sich gemütlich einrichten. Verzichten Sie aber auf jegliche Ablenkungen, sodass Sie sich nur auf sich selbst konzentrieren können und Ihre Gedanken freien Lauf haben.

Von:
Pia Scheiblhuber
15. August 2021